Bergbau am Beispiel Peru

Exemplarisch für andere Abbauländer des Südens nahmen in den letzten Jahren  im bodenschatzreichen Peru Bergbauprojekte massiv zu. So steht Peru weltweit an erster Stelle beim Abbau von Silber (vor China und Mexiko), an zweiter Stelle im Kupferabbau (hinter Chile) und Zink (hinter China), an dritter Stelle im Zinnabbau (hinter China und Indonesien), an vierter Stelle im Bleiabbau (hinter China, Australien und USA) und beim Abbau von Molibdenum (hinter China, USA und Chile) und an sechster Stelle im Goldabbau (hinter China, Australien, Südafrika, den USA und Russland). Gleichzeitig gehören die Regionen mit grosser Bergbautätigkeit bis heute zu den ärmsten des Landes. So auch die Region Cajamarca obwohl hier seit 20 Jahren Gold abgebaut wird.

 

Der aktuelle peruanische Präsident Ollanta Humala  versprach zwar in seiner Wahlkampagne, alle Verträge mit Bergbauunternehmen zu überprüfen und anzupassen. Tatsächlich nehmen die Minenprojekte zu. Die Regierung vertritt häufig eigene Interessen und Bergbauunternehmen profitieren von günstigen Bedingungen. Nach Abzug ihrer Investitionen müssten sie 30% Gewinnsteuer bezahlen, während sie in den USA rund 80% betragen (laut Prof. Stiglitz). Die Hälfte der Gewinnsteuer geht zurück in die produzierenden Regionen und muss in Infrastrukturprojekte investiert werden.  Die Einnahmen aus dem Bergbau betrugen zwischen 32 und 45% der gesamten staatlichen Einnahmen (lt. Josée de Echave 6% ...diese Zahlen unterscheiden sich je nach Quelle). Im Jahr 2011 bestanden 59% der Exporte von Peru aus Mineralien.  Neben den Bodenschätzen, die exportiert werden, fliesst so auch der Grossteil des Gewinns ins Ausland ab.

Peru ist Mitglied von EITI (Extractive Industries Transparency Initiative) und wurde 2012 als Land qualifiziert, das die Standards von EITI erfüllt.  Trotz dieser Mitgliedschaft und Gesetzen zur Konsultierung der indigenen Bevölkerung und der Bürgerbeteiligung bei Bergbauprojekten wird die betroffene Bevölkerung bisher nur mangelhaft informiert und konsultiert. Zu ihrer Benachteiligung trägt zudem die seit Jahrhunderten existierende Diskriminierung der indigenen BewohnerInnen des andinen Hochlandes und des Regenwaldes bei. Dies zeigen u.a. Aussagen wie jene des Expräsidenten Alan Garcia über die „Bevölkerung von 2. und 3. Klasse“ oder „der Hunde die das Gemüse bewachen und es selber nicht fressen“ im Vergleich zur Bevölkerung, die sich gegen den Abbau von natürlichen Ressourcen wehrt doch diese selber nicht braucht  So wundert es wenig, dass parallel zur Bergbautätigkeit auch die Anzahl Konflikte im Zusammenhang mit dem Abbau von Ressourcen seit Jahren steigen. Die staatliche Ombudsstelle registrierte im Februar 2013 landesweit 147 Konflikte im sozialen und ökologischen Bereich von total 222 Konflikten im Land. 

bergbau verbindungen peru - schweiz 

Glencore (Xstrata) mit Sitz in Baar gehört zu den grössten Investoren in Peru. Die transnationale Firma besitzt bzw. besass bis April 14 zwei grosse Kupferminen, Tintaya/Antapaccay und Las Bambas in den Südanden sowie Coroccohuayco, ein Kupferprojekt in Vorstudie. Zudem ist Glencore mit 33 % an der Kupfermine Antamina beteiligt.  Für die Fusion von Glencore und Xstrata stellten die chinesischen Wettbewerbsbehörden die Bedingung, dass eine der Kuperminen in Peru verkauft werden muss. Las Bambas ging  im April 2014 für 5,85 Mrd. USD in den Besitz eines chinesischen Konsortiums. Xstrata hatte 2014 etwas mehr als 100 Mio. USD. für die Abbaurechte bezahlt.  Der Kommentar der lokalen Bevölkerung zu diesem Verkauf ist: sie verkaufen unseren Boden für so viel Geld – und wir? 
Glencore ist laut eigenen Angaben ebenfalls Besitzerin der Minen Iscaycruz y Yauliyacu via die Tochterfirma Los Quenuales. Laut anderen Quellen ist Glencore International Besitzerin oder Mitinhaberin auch noch von 7 weiteren Minen und Erzvorkommen, die Gold, Silber, Kupfer, Blei und Zink abbauen.
Trafigura mit Büros in Genf und Luzern besitzt  einerseits die Minen Catalina Huanca und Condestable die hauptsächlich Zink, Blei und Kupfer abbauen, andererseits einen Lagerplatz im Hafen von Callao für den Export von Mineralien. Laut peruanischen Exportstatistiken werden mindestens 50% des in Peru ausgebeuteten Goldes in die Schweiz exportiert wo sie weiter verarbeitet werden.

 

aktivitäten der zivilgesellschaft und der kirche in peru

Neben den national engagierten Nichtregierungs-organisationen Oxfam und Cooperaccion setzen sich zahlreiche lokale Gruppierungen für die Rechte der betroffenen Bevölkerung und eine intakte Umwelt in Bergbaugebieten ein. Viele davon sind Mitglied des für den Bergbaubereich bedeutenden nationalen Netzwerks Red Muqui, das Vernetzung, Austausch, Beratung von Gruppen, Information und gezielte Weiterbildung ermöglicht.  Die Stärkung der Bevölkerung in Verhandlungsführung war bisher kaum ein Thema.
Die Kirche spielt eine eher untergeordnete Rolle, nur einzelne Bischöfe setzen sich für die vom Bergbau betroffene Bevölkerung ein.  Momentan sehr engagiert sind das Erzbistum Huancayo, das einen Runden Tisch zu Umweltfragen initiiert hat, und das Bistum Madre de Dios, das die Bergbautätigkeit mittels Vergleichsstudien kritisch beobachtet.

Ein grosses Thema ist der Einsatz für die Umsetzung des Rechts auf Konsultierung der betroffenen Bevölkerung, das Peru mit der Unterzeichnung des Abkommens 169 der Internationalen Arbeitsorganisation 1993 ratifizierte.